Alles ist neu und nichts ist anders…

Rund 100 Experten aus Agenturen und Unternehmen fanden sich am Dienstag, den 15. September 2009, in Hamburg auf dem PR 2.0-Forum ein, sehr professionell veranstaltet von Kongress Media und moderiert von Tapio Liller. Einige Denkanstöße und Praxis-Tipps für alle Kommunikationsarbeiter habe ich hier zusammengetragen:

1. Social Media Kommunikation erfordert nicht nur einen neuen Umgang mit Kundenorientierung im Unternehmen, sondern auch eine enge Abstimmung der Abteilungen, z.B. Customer Care und Kommunikation. Wer nicht wirklich hören will, wie Konsumenten seine Produkte finden, braucht auch keine Social Media-Strategie.

2. Grundregeln für erfolgreiche Social Media-Kommunikation: die Zielgruppe kennen(lernen), also Zuhören und Mitlesen, das Kommunikationsziel sauber definieren und im Auge behalten sowie sich mit ehrlicher und authentischer Haltung in den Dialog begeben.

3. Es gibt mittlerweile viele Tools und genauso viele Dienstleister, die (Monitoring-) Daten aus dem Netz zusammentragen. Das ersetzt jedoch nicht den qualitativen Umgang mit den von Menschen produzierten Inhalten. Zu erkennen, wie diese eine Marke sehen, worüber zu einem Thema diskutiert wird, wer wo eine Meinungsführerschaft übernimmt, erfordert persönliche Auseinandersetzung mit den einzelnen Medien/Plattformen und Autoren. Diese Research-Arbeit faktorierbar zu machen, wird eine der großen Herausforderungen für die Agenturen sein, denn das ist viel mehr als “Verteilerpflege”.

4. Um in Social Media aktiv zu werden, muss die richtige Person identifiziert werden. Nicht jeder hat Lust, Begabung und Persönlichkeit, sich in den schäumenden Konversationsfluss zu stürzen. Vielleicht gibt es Kollegen, die bereits privat Erfahrungen mit Twitter, Blogs & Co. gesammelt haben. Im Social Web ist man immer zunächst als Mensch unterwegs. Wer sich nicht zu erkennen geben will, dem fällt’s schwer. Außerdem: Von einem Pressesprecher wird erwartet, zitierfähige „One-voice-Statements“ im Namen des Unternehmens abzugeben, deshalb ist diese Rolle nicht unbedingt die beste Wahl für Echtzeitkommunikation.

5. Storytelling wird immer wichtiger, denn Unternehmen müssen immer mehr publizistisches Selbstverständnis entwickeln. Egal, ob die strategische Entscheidung lautet, auf Plattformen, in Foren oder Blogs sichtbar zu werden oder eigene Medien zu etablieren und zu füllen. Publizierbare Inhalte sind oft schon zuhauf vorhanden, man muss sie nur hervorholen.

6. Wichtiger als ein bis zum letzten Semikolon ausgefeiltes Konzept ist Empathie, Offenheit, Leidenschaft und Begeisterung. Nicht nur für die Welt des Social Web, sondern auch für das Produkt, die Marke, das Unternehmen, das Thema.

7. Viele der (alten) Medien weiden sich an Horrorstorys aus der Social Media-Welt, und das schürt Angst. Respekt zu haben schadet nie, wenn man in der Meinungsgesellschaft unterwegs ist. Doch Ängste lohnen sich abzubauen, indem wir mehr über die großen Chancen des Social Web sprechen. Einfach anfangen mit dem „Zuhören, zuhören, zuhören!“, dann mal mitsprechen, wo man sich sattelfest fühlt und so langsam erste Erfahrungen sammeln, ist die beste Taktik – „JUST DO IT!“ eben.

Wer jetzt denkt, das ist doch alles gar nichts Neues, der hat die Essenz des Forums schon erfasst. Genau, eigentlich ändert sich für PR- und Kommunikationsberater gar nicht so viel. Offenheit und Ehrlichkeit, der Umgang auf Augenhöhe, Spaß daran zu haben im Dialog zu vermitteln sowie die Fähigkeit Geschichten zu erzählen und Nachrichtenfaktoren zu (er-)kennen, gehör(t)en schon immer zur Kompetenz und Haltung eines erfolgreichen Kommunikationsarbeiters!

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